Chilizucht und Anbau

Chilipflanzen sind eigentlich recht anspruchslos und auch der ungeübte Hobbygärtner sollte in der Lage sein ein paar leckere Schoten heranzuzüchten. Ein paar kleinere Fallstricke gibt es aber dennoch und um Euch die Arbeit zu erleichtern habe ich die wesentlichen Punkte einmal zusammengefaßt:

Anzucht

Um die ersten kleinen Setzlinge groß zuziehen reicht es kleine Töpfchen (wie z.B. einfache Getränkebecher) mit ein wenig Erde zu füllen und pro Töpfchen jeweils 1-2 Samen 1 Zentimeter tief in die Erde drücken. Die Erde sollte leicht feucht aber auf gar keinen Fall nass sein. Natürlich können auch Torfplättchen oder spezielle Anzuchtballen verwendet werden aber die sind zumeist teuer und das Ergebnis bleibt gleich. Für eine gute Keimung sollten die Samen an einem warmen Ort stehen. Ideal ist eine Temperatur zwischen 26 und 30 Grad Celsius. Wer keine Heizschlange unter die Töpfe stellen will der stell sie einfach auf die Heizung oder auf eine sonnige Fensterbank.

Gerüchteweise soll es helfen die Samen für ein paar Stunden in lauwarmen Kamillentee zu wässern und so eine höhere Keimungsrate zu erzielen. Ob es klappt kann ich nicht sagen, da ich es noch nicht ausprobiert habe. Meist reichen mir die gekeimten Samen völlig aus und ich muss einige der Setzlinge aus Platzmangel entsorgen.

Wer faul ist kann auch direkt Pflanzen bei diversen Versendern kaufen, die werden allerdings erst recht spät verschickt damit die Pflanzen beim Transport keine zu niedrigen Temperaturen abkriegen. Mit diesen Setzlingen spart man sich die Anzucht und häufig werden die Pflanzen direkt buschig. Ein professionelles Gewächshaus hat halt seine Vorteile für ein gutes Wachstum!

 

Umtopfen

Nach dem Keimen bilden sich schnell die ersten beiden Blattpaare und eh man sich versieht haben die Pflänzchen eine Größe von etwa 10cm erreicht. Jetzt sollte man so langsam mal ans Umtopfen denken da sich schon ein ordentlicher Wurzelballen gebildet haben sollte und der Platz in den Töpfchen so langsam nicht mehr ausreicht.

Idealerweise verfachtet man die Pflanzen mitsamt der Erde aus dem Anzuchttöpfchen in ein größeres Behältnis. Die Wurzeln sind noch sehr dünn und die Gefahr sie abzubrechen ist noch recht hoch. Wichtig jetzt schon an ausreichend Platz für später zu denken. Es mag zwar etwas kümmerlich aussehen, wenn eine 10cm hohe Pflanze in einem Blumentopf mit 30cm Durchmesser steht aber wenn die PFlanzen erstmal richtig wachsen herrscht schnell Gedränge im Topf.

Ich verwende pro Pflanze einen separaten Blumentopf und keine Balkonkästen. Teilweise wachsen die Pflanzen etwas schief und durch ein paar Drehungen des Topfs kann man die Pflanzrichtung beeinflussen. Bei einem Balkonkasten ist man eingeschränkt und hat nur 2 Position um die Pflanzen in die Sonne zu drehen. Die Blumentopfe sollten auch auf jeden Fall ein Loch bzw. ein Abtropfgitter haben, damit überschüssiges Wasser abfliessen kann und keine Staunässe entsteht.

 

Stellplatz

Eigentlich vertragen Chilis keine direkte Sonneneinstrahlung und stehen lieber im Halbschatten. Wenn man aber nicht gerade in Südamerika oder den Tropen wohnt, sollte man sich nicht daran halten und den Chilis so viel Sonne wie möglich geben. Speziell in unsere Breitengraden können die Pflanzen nicht genug Licht bekommen und ich habe bisher noch keine bleibenden Schäden an meinen Pflanzen durch Sonneneinstrahlung feststellen müssen.

Der beste Ort für die Chilis ist also eine sonnige Fensterbank oder eine Terrasse mit Südblick. Da Chilis absolut keinen Frost mögen sollte man die Pflanzen auf keinen Fall direkt im Garten eingraben. Erst ab einer Temperatur von dauerhaft 15 Grad Celsius sollten die Pflanzen über Nacht draussen bleiben. Bis dahin würde ich die Pflanzen tagsüber in die Sonne stellen und nachts wieder ins Warme reinholen.

Wenn die Pflanzen übrigens zu sehr in die Höhe schiessen (lange dünne Stiele ohne viele Blätter), dann ist das ein klares Zeichen für Lichtmangel. Hier hilft es nur einen anderen Standort zu suchen, alle anderen Maßnahmen haben keinen Erfolg.  

 

Giessen

Die Chilipflanzen bringen einen guten Indikator für die benötigte Wassermenge mit: die Blätter. Wenn die Blätter anfangen sich aufzurollen und sehr schlapp und welk herunterhängen, dann ist es höchste Zeit die Pflanzen ordentlich mit Wasser zu versorgen. Gerade im Sommer wird das häufig der Fall sein, denn je nach Größe der Pflanzen sind bis zu 5l Wasserbedarf am Tag keine Seltenheit. Glücklicherweise berappeln sich die Pflanzen normalerweise innerhalb von einer halben Stunde nach dem Giessen wieder auf und sehen frisch und lebendig aus.

Speziell wenn die Sonne nicht so stark scheint sollte man mit dem Giessen vorsichtig sein. Chilis mögen keine Staunässe und die Erde sollte lediglich feucht aber nicht wirklich nass sein. Je feuchter die Erde desto höher die Gefahr von Schimmelbildung oder Schädlingsbefall. Wenn das Wetter also nicht zum Baden einlädt braucht man nur alle paar Tage zu Giessen, bei voller Sonneneinstrahlung hingegen muß jeden Abend gegossen werden.

 

Düngen

 Zu Beginn der Zucht kann man auf zusätzliches Düngen komplett verzichten. In der frühen Phase bringt der Samen genug Nährstoff für ein ordentlches Wachstum mit und im Anschluss sollte normale Blumenerde ausreichen. Wer zu früh anfängt die Pflanzen zu düngen, der riskiert, dass die Wurzeln durch den Dünger "verbrannt" werden und absterben.

Sobald die Pflanzen eine Höhe von etwa 40cm erreicht haben und sich diverse Verästelungen gebildet haben wird es Zeit zu Düngen. An dieser Größe hat die Pflanze der Erde die meiste Nahrung entzogen und es wird Zeit nachzuhelfen. Am einfachsten und effektivsten ist Tomatendünger (teilweise auch als Tomaten- und Paprikadünger im Handel). Einfach laut Packungsanleitung zur Erde geben und das Wachstum kann weitergehen.

Ein klares Zeichen für einen Mangel sind übrigens hellgrüne, fast weiße Blätter und sehr kleine Chilischoten die kaum wachsen. Glücklicherweise normalisiert sich der Zustand meist 1-2 Wochen nachdem man gedüngt hat und neue Blätter haben wieder eine gesunde Farbe. Auch die Chilis werden deutlich größer und die Pflanze bildet mehr Früchte aus.

Düngen lohnt sich - aber vorsicht, nicht zu früh damit anfangen!

 

Bestäubung

Chilis sind einhäusige Pflanzen, d.h. es wird nur eine Pflanze zur Reproduktion benötigt. Die Blüten können sich selbst bestäuben und man muss den Blütenstaub nicht von einer Pflanze zur anderen tragen.

Stehen die Pflanzen im Freien braucht man sich um die BEstäubung keine Gedanken zu machen. Bienen und sonstiges Flugviech erledigt die Hauptarbeit und durch die ein oder andere Windböe werden die Blüten ordentlich durchgeschüttelt. In Räumen sollte ein wenig nachhelfen und die einzelnen Blüten ein wenig anstoßen.Vorsichtig! Die Dinger sind sehr empfindlich und die Blüten brechen schnell ab! Eventuell reicht auch ein kurzes Wackeln an der ganzen Pflanze zur Bestäubung.

Wer Chilis kreuzen will kann jetzt tätig werden, einfach von einer Pflanze den Blütenstaub mit einem Q-tip entnehmen und in die Blüte einer anderen Pflanze (und Sorte) einbringen. Schwupps erzeugt man eine Mischung aus Habanero und Jalapeno. Nur wie nennt man die dann? Habapeno? Jalanero?

 

Ernte

Die Zeit bis zur Ernte ist je nach Sorte unterschiedlich. Bei einigen dauert die Reife unter 30 Tagen und bei anderen Sorten ist erst nach über 60 Tagen Schluss und man kann die Schoten pflücken. Der beste Indikator für den Reifegrad ist die Farbe. Die meisten Schoten sind im unreifen Zustand grün und ändern dann innerhalb von 1-3 Tagen ihre Farbe nach rot oder orange.

 

Schädlinge

Häufigster Grund für Schädlingsbefall ist Überdüngung. Wer zu viel Anreiz für Leben bietet der muß sich nicht über Untermieter wundern. Lose Blätter auf dem Topfboden sorgen übrigens auch für ein nettes Klima und in Nullkommanichts nisten sich Fliegen oder Käfer in der Erde ein. 

Wenn die Pflanze mit Läusen oder Larven von der weissen Fliege befallen ist kann man versuchen die Pflanzen mit Seifenwasser abzusprühen und so das Ungeziefer loswerden. Sollte das nicht klappen gibt es im Gartencenter ein Mittel Namens "Neem" das Läuse bekämpft aber die Schoten nicht mit Schadstoffen belastet. Teilweise hiilft es auch die Pflanzen schockzufrosten und sie einige Zeit (4-5h) in die Kälte zu stellen. Die meisten Larven bevorzugen ebenfalls eine Temperatur jenseits der 15 Grad.